Chrigel Maurer am Red Bull X-Alps 2017

Chrigel Maurer...

Chrigel Maurer...

beim Start mit dem Gleitschirm

beim Start mit dem Gleitschirm

Chrigel Maurer gewinnt das Red Bull X-Alps zum 5ten Mal in Folge!

Das ganze Team Lowa Schweiz ist stolz auf dich, Chrigel, und gratuliert herzlich!

 

Am 2. Juli starteten rund 32 Gleitschirmpiloten zur 8. Edition des Red Bull X-Alps.
Darunter auch unser Athlet Chrigel Maurer der dieses Jahr wiederum das Rennen für sich entschied.

Gerne haben wir Ihnen untenstehend, die Berichte von Chrigels Supporter Bruno Petroni, über den ganzen Wettkampfverlauf zusammengestellt.

 

ÜBER Chrigel Maurer

Christian «Chrigel», geboren am 27. Juli 1982 in Adelboden, deshalb in der Szene auch «Adler von Adelboden» genannt – nicht zuletzt deshalb, weil er auch schon mit Adlern gemeinsam geflogen ist. Hob als Neunjähriger erstmals ab und begann mit 16 Jahren wettkampfmässig mit der Fliegerei. Heute wohnt Maurer in Frutigen.

-Dreifacher Gesamt-Weltcupsieger (2005, 2006, 2007), Europameister 2004, fünffacher Schweizermeister.
-2004 Europarekord im Streckenflug, 323 Kilometer vom Niesen ins österreichische Tösens.
-2009 Weltrekord im Infinity Tumbling mit 210 Loopings innerhalb von sechs Minuten.
-Fünffacher X-Alps-Sieger (2009, 2011, 2013, 2015 und 2017).
-2014 und 2016 Sieg am X-Pyr, einem dem X-Alps gleichenden Biwakrennen über 439 Kilometer in den Pyrenäen.
-2015 Streckenrekord FAI-Dreieckskurs über 292 Kilometer.

ÜBER das X-Alps

Das X-Alps ist ein Gleitschirm-Biwakrennen über den gesamten Alpenkamm mit Start in Salzburg und Ziel in Monaco. Das 8. X-Alps wird am 2. Juli auf dem Mozartplatz in Salzburg gestartet. Folgende Kontrollpunkte müssen in diesem Jahr passiert werden: Gaisberg (Salzburg), Triglav (Slowenien), Aschau (Chiemsee, Deutschland), Zugspitze/Lermoos, Monte Baldo und das Matterhorn. Die Athleten dürfen sich nur zu Fuss oder mit dem Gleitschirm fliegend fortbewegen. Bei ihren Fussmärschen müssen sie die gesamte Flugausrüstung jederzeit auf sich tragen. Wegen Sichtflugregeln dürfen die Teilnehmer jeweils ab 21 Uhr nicht mehr fliegen; nachts gilt zwischen 22.30 Uhr und 5 Uhr morgens Ruhezwang. Jeder Athlet darf einmal einen so genannten, frei wählbaren Nightpass beziehen, also während einer Nacht durchlaufen, jedoch nicht fliegen.

Die bisherigen, alle zwei Jahre stattfindenden Austragungen sahen einen Schweizer Sieger: 2003 Kaspar Henny (Obersaxen), 2005 und 2007 Alex Hofer (Heimberg), 2009, 2011, 2013 und 2015 Chrigel Maurer (Frutigen). Die Rekordzeit von 6 Tagen, 23 Stunden und 40 Minuten wurde 2013 von Chrigel Maurer aufgestellt. Das 8. X-Alps war mit 1138 Kilometern Luftlinie 100 Kilometer länger als bei allen Austragungen zuvor.

Chrigel Maurer am Ziel!

Chrigel Maurer am Ziel!

Chrigel Maurer unterwegs am X-Alps

Chrigel Maurer unterwegs am X-Alps

Chrigel am Meer - und morgen am Ziel / 12.07.2017 Abend

 

Chrigel Maurer näherte sich heute mit einem letzten genialen Flug dem Ziel bis auf wenige Kilometer; er landete am Strand von Ventimiglia. Der 34-Jährige nimmt es heute Abend angesichts des 60-Kilometer-Vorsprungs auf den Zweiten locker und wird erst morgen Vormittag zum 600 Meter über Monaco gelegenen Peille wandern, um dort den Zielbogen zu passieren.

50 Kilometer in acht Stunden wanderte Chrigel Maurer heute vom letzten Übernachtungsplatz in Busca bis zum Col de Tende, Höhendifferenz über 1'600 Meter. Die Hitze drehte gegen Mittag so richtig auf und verlangte Chrigel nochmals alles ab. Und die frohe Botschaft: Das Knie machte die Strapazen bis zum Ende mit. Als grosse Motivationsspritze für den finalen Flug zum Meer trafen zudem heute Nachmittag Chrigel's Mutter Monika und seine Partnerin Yvonne Appenzeller am Col de Tende ein. Yvonne begleitete Chrigel beim 700 Höhenmeter-Aufstieg hinauf auf den Tendepass, von wo der "Adler von Adelboden" zum letzten Flug abhob. Es sollte ein unglaublicher Flug werden, der erst am Meeresstrand von Ventimiglia zu Ende war. Starker Westwind machte das Erreichen des Ziels in Peille unmöglich.

 

Morgen Früh zu Fuss dem Ziel entgegen

Wie gesagt, vor einer Stunde ist er am Stadtrand von Ventimiglia am Meeresstrand gelandet und feierte dies mit einem kühlen Bier. Die 16 Kilometer Luftlinie nach Peille wird er erst morgen Vormittag gemächlich in Angriff nehmen, und somit das X-Alps zum fünften Mal in Serie für sich entscheiden. Peille, 600 Höhenmeter hoch über dem Fürstentum Monaco gelegen, gilt traditionsgemäss als offizielles Ziel des X-Alps, dort wird die Zeit gestoppt. Was danach kommt, ist nur noch eine reine Werbeaktion des Hauptsponsors Red Bull, indem die im Ziel eingetroffenen Athleten quasi als Kür noch bis zum Meer hinunter fliegen und dort auf einem grossen Floss landen dürfen.

 

Der zweite Schweizer ist out

Chrigel's nächster Verfolger, der französische Ultralangstreckenläufer Benoît Outters konnte das Lauftempo offenbar nicht steigern und seinen Rückstand auf Maurer nicht wettmachen. Der Abstand der beiden bewegte sich seit gestern Mittag stets im Bereich von 50 bis 55 Kilometer. Hinter Outters ist ein Kampf um den dritten Platz im Gange, den momentan Paul Guschlbauer inne hält. Der 33-jährige Österreicher war schon 2011 und 2015 als Dritter in Monaco angekommen. Stanislav Mayer aus der Tschechei macht ihm momentan mit nur 24 Kilometern Rückstand das Leben schwer.

Der Zürcher Krischa Berlinger, nebst Chrigel Maurer zweiter Schweizer Teilnehmer am 8. X-Alps, wurde gestern auf Grund seines gesundheitlichen Zustands aus dem Rennen genommen. Somit befinden sich derzeit noch 20 Athleten auf der Strecke. Der momentan letztplatzierte Amerikaner Jesse Williams befindet sich vor dem Monte Baldo, also ungefähr in der Mitte der 1'138 Kilometer langen X-Alps-Strecke. 

Das X-Alps wird zu Fuss im Finish entschieden / 12.07.2017 Morgen

                                                                         

Chrigel Maurer trennen noch 80 Kilometer von seinem 5. X-Alps-Sieg. Der heutige Tag dürfte die definitive Entscheidung bringen. Sein hartnäckigster Widersacher ist wieder zurückgefallen.

Bis gestern Nachmittag lief wenig bis gar nichts bei Chrigel Maurer: "Es war der ineffizienteste Tag meiner ganzen X-Alps-Karriere. In zehn Stunden kam ich gerade mal 20 Kilometer weit." Nach drei kurzen Flügen bei fast unmöglichen Bedingungen musste er schliesslich die Berge in Richtung Flachland verlassen, um überhaupt weiter zu kommen. Die zwei Versuche am Gran Truc und an der Punta Vergina endeten in durchschlittlichen Talflügen und Senken bis zu 5 Meter pro Sekunde, der zweite immerhin mit Rückenwind und einer effektiven Fluggeschwindigkeit von 124 km/h (laut Tracking!) Tal auswärts bis nach Cavour. Von da weg war endlos langes Wandern der stark befahrenen Hauptstrasse SS589 entlang mit viel Verkehr angesagt. Was heist da Wandern: Chrigel fand heraus, dass sein entzündetes Knie beim Joggen weniger schmerzt als beim Gehen. Also rannte er gestern Abend noch fast eine Marathondistanz, nämlich 40 Kilometer mitten im Verkehr. Und wird es für die heutigen ersten acht bis zehn Stunden wohl auch sein, denn für heute sind ähnliche Wetterverhältnisse angesagt wie gestern: "Schon am Montag haben wir gemeint, es fliege dann am nächsten Tag super, doch gestern war überhaupt nichts zu wollen", so Chrigel Maurer. Der vierfache X-Alps-Sieger geht somit davon aus, "dass ich die restlichen 80 Kilometer nach Monaco mehr oder weniger zu Fuss bewältigen werde. Hoffe einfach, dass das Knie das noch durchhält." Wenn er heute Nachmittag auf dem Tendepass (1'871 m) fliegen kann, ist alles möglich. Entweder trifft er spätabends im Ziel ein, oder aber morgen früh. Wer weiss, vielleicht ergibt sich heute trotzdem irgendwo noch eine Möglichkeit, ein paar Kilometer fliegend zu absolvieren. Dabei wird Chrigel extrem gut auf die gegebenen Lufträume achten müssen, wie er dies gestern schon musste. Da flog er mit Wingovern und Spiralen fast schier im Slalom um die engen Lufträume südlich von Turin und landete in Cavour sogar 20 Meter neben einer solchen Sperrzone.

 

Heute kommt die Familie nach Cuneo

Hinter Chigel hat Benoît Outters gestern mit fleissiger Laufarbeit den Rückstand vorübergehend auf 40 Kilometer reduzieren können, doch am Abend baute Chrigel mit seiner Joggingeinlage den Vorsprung wieder auf 56 Kilometer aus. Den Ultramarathonmann aus Frankreich gilt es aber mit grösster Aufmerksamkeit zu beobachten. Mit einer Tempoverschärfung könnte er Maurer im Schlussteil noch sehr gefährlich werden. Hinter ihm macht Paul Guschlbauer (A) Druck, er hat das Matterhorn passiert und flog gestern auf über 3'000 Metern Höhe ins Aostatal hinunter.
Übrigens wird Chrigel heute im Verlaufe des Nachmittags Besuch erhalten, der ihn zusätzlich motivieren dürfte: Seine Mutter Monika und Partnerin Yvonne Appenzeller befinden sich auf dem Weg in den Süden, um ihren Chrigel auf den letzten Kilometern nach Monaco zu begleiten.

Tagesanbruch: Chrigel ist bereits unterwegs

Tagesanbruch: Chrigel ist bereits unterwegs

Chrigel will am Donnerstag am Meer sein / 11.07.2017 Morgen

                                                                       

140 Kilometer trennen Chrigel Maurer von seinem fünften X-Alps-Sieg. Wenn er heute wie erwartet länger fliegen kann, dürfte er am Mittwoch oder Donnerstag im Ziel sein. Ein Blick in den Rückspiegel zeigt einen soliden Vorsprung auf Benoît Outters - auf den ersten Blick....

"Erstmals an diesem X-Alps ist mir ein grober Fehler unterlaufen": Chrigel Maurer war gestern mit seinem Wettkampftag zwar durchaus zufrieden, konnte er doch bei schwierigen Bedingungen und Gewittern 50 Kilometer weit fliegen. "Aber ich wollte zu viel, dann hat's mich runtergespült. Als ich dann wieder aufgestiegen und wieder gestartet war, hatte ich plötzlich ein Gewitter vor mir und musste landen." Damit verschenkte Chrigel Maurer etwa 20 Kilometer. Das sind eigentlich nicht viel, "aber wenn du diese 20 Kilometer fliegen kannst, ist das eine halbe Stunde. Zu Fuss sind es vier Stunden."
Apropos Gewitter: Die letzte Stunde von Giaveno hinauf zum 500 Meter höher liegenden Campingplatz von Verna legte Maurer in einem veritablen Sommergewitter zurück, es schüttete als gäbe es kein morgen mehr. Entsprechend fand Chrigel Worte, die hier lieber nicht wiedergeben werden.

 

Hike&Fly Monaco entgegen

Die Sonne schien heute Morgen bereits durch die Kastanienbäume am Campingplatz Verna, hoch über Turin, als das Team SUI1 Tagwache hatte. Chrigel gönnte sich auch gestern eine zusätzliche Stunde Erholung vor der Sperrzeit und stand erst um Sieben auf, statt um halb Fünf. Er befindet sich in einem 600-Meter-Aufstieg zum Freidour. Von dort will er eher südlich orientert Richtung Monaco weiterziehen, eventuell muss er auch etwas westlicher in die Berge der Grenzregion fliegen.
Heute dürften im Allgemeinen etwas bessere Flugverhältnisse herrschen als gestern. Will heissen: Trotz tiefer Wolkenbasis gut fliegbar, morgens sonnig, erst im Verlaufe des Nachmittags gewitterhaft. "Wenn es mit dem Wetter so weiter geht, bin ich am Donnerstag in Monaco. Wenn's gut geht vielleicht schon am Mittwoch", so Chrigel Maurer. Er will die restlichen Kilometer möglichst mit Hike&Fly absolvieren, denn beim aufwärtsgehen schmerzt sein entzündetes Knie weniger als auf Flachstücken. Für Hike&Fly sind die kommenden Hügel bis in die Mittelmeergegend geradezu ideal. Wenn also nichts mehr dazwischen kommt und Chrigel's Knie bis zum Schluss durch hält, sollte dem fünften Sieg am X-Alps also nichts mehr im Wege stehen, denn von Müdigkeit ist dem 34-jährigen Frutiger ansonsten nichts anzumerken. Er ist entspannt unterwegs, stets für Spässe zu haben und immer für einen kurzen Schwatz inklusive Foto mit den fast pausenlos aus allen Richtungen auftauchenden Fans bereit.

 

Solider Vorsprung - aber....

Der französische Ultralangstreckenläufer Benoît Outters, der erstmals am X-Alps teilnimmt und sich an zweiter Stelle Richtung Turin kämpft, liegt etwa eine Tagesetappe hinter Chrigel zurück. Die 70 Kilometer Rückstand dürfen aber nicht darüber hinweg täuschen, dass dieser Rückstand in der Luft nur gerade zwei Stunden Wert ist, denn bei einem groben Strategiepatzer von Maurer könnte Outters in zwei Stunden den gesamten Rückstand wettmachen. Und Outters als Ultralangstreckenläufer könnte Chrigel mit seinem angeschlagenen Knie gerade am Boden gefährlich werden.

Gewitterpause: Diese nutzt das Team SUI1 jeweils zur weiteren Strategieplanung.

Gewitterpause: Diese nutzt das Team SUI1 jeweils zur weiteren Strategieplanung.

X-Alps erstmals durch den Piemont / 10.07.2017 Nachmittag

                                                                         

Erfolgreicher Sonntag für Chrigel Maurer: Der Oberländer erreichte am frühen Morgen in einer vierstündigen Wanderung von Täsch aus den Theodulpass, wo er nach zweistündiger Wartepause wegen Regens ideale Bedingungen für einen Gleitflug ins Aostatal vorfand. Dann fällte Maurer eine ungewöhnliche Entscheidung: Erstmals führt ihn der Weg nach Monaco über Turin. Ein Gebiet, wo es normalerweise nicht oder nur schlecht zu fliegen ist.

Nein, das hätte keiner gedacht, dass es für Chrigel Maurer derart einfach wird: Nach dem morgendlichen Aufstieg über 1'800 Höhenmeter zum neben dem Matterhorn liegenden Theodulpass konnte er nur darauf warten, dass sich Regen und Nebel verziehen, und anschliessend durch das Tournenchetal ins Aostatal abgleiten. Hier stellte sich nun die Frage, die für den Ausgang des X-Alps entscheidend wurde: Links oder rechts? Rechts, also im Westen, warteten die französischen Alpen, für welche bis zum Mittwoch starke Höhenwinde und eine tiefe Wolkenbasis unter 3'000 Meter warteten, sowie ein Umweg von 100 Kilometer und endlos viele Höhenmeter. Links lockte die Fläche von Turin (Fussweg etwa 330 Kilometer bis Monaco), wo aber normalerweise wenig Fliegbares vorhanden ist, im Moment aber durch ebendiese Höhenwinde die schwere Luft des Grossraums Turin aufgemischt wird und möglicherweise entlang der Alpi Cozie doch einige Strecke gemacht werden kann. Die zweite Variante würde auch Fussmärsche im Flachen ermöglichen, so dass Chrigel spätestens am Mittwochabend in Monaco eintreffen würde. "Wenn es am Mittwoch aber in Frankreich super fliegt, könnten die Verfolger an einem einzigen Tag nach Monaco fliegen", waren gestern Abend Chrigel's Überlegungen. Trotzdem entschied er sich jetzt für die östlichere Route westlich der Grossstadt Turin dem Mittelmeer entgegen. Noch nie in der Geschichte des X-Alps ist ein Athlet derart weit östlich dem Mittelmeer entgegen gezogen. Man darf gespannt sein, wie erfolgreich diese Strategie schlussendlich sein wird.
Mit einem abschliessenden 20-Kilometer-Fussmarsch erreichte er jedenfalls noch gestern Abend den Piemont. In Tavagnasco war dann nach diesem erfolgreichen Tag auf Grund der zu erwartenden Gewitter vorzeitig Feierabend - Erholung und gut essen standen im Vordergrund. Auch heute Morgen eilte es dem Team SUI1 nicht besonders mit Aufbrechen, konnten die Drei doch bis sieben Uhr ausschlafen.

 

Das Knie "auf der Kippe"

Die Sehnenansatzentzündung am rechten Aussenknie macht Maurer ernsthaft zu schaffen. Flache Stücke schmerzen, während es auf Bergstrecken einfacher geht. Gestern Abend hat sich nun im Bereich der Verletzung auch noch die Haut aufgelöst, so dass die kühlen Essigumschläge extrem brennen. Das Knie hat sich in der Nacht aber recht gut erholt, so dass Chrigel heute Morgen früh gut zum Startplatz auf 1'500 Meter Höhe aufsteigen konnte. Er wird darauf achten müssen, möglichst wenig Flachstücke mehr gehen zu müssen, und dies zu tun, was er am besten kann: Fliegen.
Bis zum Mittag konnte Chrigel mal wieder weiter fliegen als befürchtet. Soeben ist ihm auf der Höhe von Turin die Thermik ausgegangen. Er steigt wieder auf und will es bald nochmals probieren. Aufsteigen ist für Chrigel's Knie momentan kein Problem. Schmerzen bereitet ihm nur das Vorwärtsbewegen im Flachen.
Der zweitplatzierte Benoît Outters bezog einen Nachtpass und lief die ganze Nacht durch, konnte somit auch bereits den Turnpoint Matterhorn abhaken und ins Aostatal fliegen. Somit konnte er vorübergehend den Rückstand auf Chrigel auf 50 Kilometer reduzieren. Das war's denn auch schon in Sachen Fliegen für heute für den Franzosen, denn im Aostatal werden Gewitter für den Rest des Tages ein Weiterfliegen wohl verunmöglichen.

Chrigel startet auf dem Theodulpass zu seinem Abgleiter ins Aostatal.

Chrigel startet auf dem Theodulpass zu seinem Abgleiter ins Aostatal.

Hält das Knie? / 09.07.2017 Morgen

 

Sorgen im Lager von SUI1 am laufenden X-Alps: Chrigel Maurer leidet seit einigen Tagen an Knieschmerzen. Diese haben sich gestern verstärkt. Und heute kommt es knüppeldick: Die Traversierung des 3'295 Meter hohen Theodulpasses steht bevor.
Es flog einiges besser als befürchtet, gestern auf dem Weg vom Comersee bis ins Wallis. Die Thermik war stärker als der Nordföhn, so dasss Chrigel Maurer viel Distanz machen und bis nach Täsch unterhalb von Zermatt vorstossen könnte. Hier wartet heute die Knacknuss Matterhorn. Die X-Alps-Athleten müssen sich dem Gipfel dieses letzten Wendepunkts bis zu fünf Kilometer nähern. Das Wetter wird heute aber kein "Abhaken" dieses Kontrollpunktes durch die Luft ermöglichen. Kurz um fünf Uhr am Morgen brach Chrigel Maurer in Täsch auf mit Richtung Zermatt und Theodulpass.

 

Das Knie und der Föhn

Eine Sehnenansatzentzündung im rechten Knie macht Chrigel seit einigen Tagen zu schaffen, und er war froh, dass er die Tage vorwiegend fliegend verbringen konnte. Gestern Abend behandelte ihn auf offener Strasse während einer Stunde die Briger Sporttherapeutin Nadinne Jossen.
Heute ist knüppelharte Fussarbeit angesagt. Die 1'800 Höhenmeter von Täsch auf den Theodulpass sind das eine, die 2'700 Höhenmeter hinunter ins Aostatal das andere: Wenn Chrigel auf oder unterhalb des Theodulpasses nicht irgendwie in die Luft kommt, muss er den gesamten Abstieg zu Fuss bewältigen. Der Föhn hat inzwischen gedreht und bläst vom Süden her mit Windspitzen bis zu 100 km/h. Möglicherweise kann er von etwas tiefer unten zum Talflug Richtung Aosta starten.
Maurer rechnet auf Grund der Wetterprognosen für die nächsten Tage damit, dass es noch mindestens vier Tage dauern wird, bis der Erste das Ziel am Mittelmeer erreichen wird.
Hinter Maurer ist durch den gestrigen Ausfall seines direkten Verfolgers Gaspard Petiot dessen Landsmann Benoit Outters auf den zweiten Zwischenrang vorgestossen. Er hat genau 100 Kilometer Rückstand auf Maurer. Dahinter streiten sich Manuel Nübel (D) und Paul Guschlbauer (A) um den dritten Platz. Der momentan auf dem dritten Rang aufgeführte $pal Takats (Ungarn) sitzt nach einer regelwidrigen Luftraumverletzung ab jetzt eine 48-stündige Strafe ab.
Der Australier Che Golus hat das Rennen gestern aufgegeben. Somit befinden sich momentan noch 24 Athleten auf dem Weg nach Monaco.

Abflug ins Veltlin!

Abflug ins Veltlin!

Direkter Verfolger verunfallt / 08.07.2017 Abend

 

Chrigel Maurer konnte gestern in der zweiten Tageshälfte den Vorsprung auf den Verfolger Gaspard Petiot wieder bis auf 70 Kilometer ausbauen. Dies, nachdem letzterer gestern Morgen für einige Minuten sogar die Führung übernommen hatte. Eine falsche Routenwahl eingangs Veltlin liess den Franzosen dann aber unfreiwillig im Tal unten landen. Heute Morgen verletzte sich Petiot dann bei einer Landung am Comersee.

Einmal mehr hatte Chrigel Maurer gestern den richtigen Riecher. Er liess sich vom stark aufkommenden französischen Verfolger Gaspard Petiot nicht aus der Ruhe bringen und wählte auf dem Weg Richtung Edolo die richtige Route, während Petiot zu weit westlich flog und prompt in Lee-Abwinde geriet und bald in der Ebene von Sondrio am Boden stand. Derweil flog Chrigel dem Comersee entgegen, landete bei Anbruch eines harmlosen Gewitters für zwei Stunden oberhalb von Sondrio, flog dann bis nach 19 Uhr weiter bis nach Dongo. Nein, ein Bad im Comersee gönnte er sich nicht, denn er wollte ,unbedingt bis zur Sperrstunde (2230 Uhr) noch zum Joriopass aufsteigen, wo ihn sein Betreuerteam mit reichhaltigem Apéro und Abendessen empfing.

 

Heute noch am Matterhorn?

Heute Morgen flog Chrigel Maurer in den ersten Sonnenstrahlen nach Monte Carasso bei Bellinzona - er landete auf dem nur wenige Meter kleinen Parkplatz der Mornera-Seilbahn von Monte Carasso. Einem Fleck, wo noch nie ein Gleitschirm gelandet sei, wie der Präsident des örtlichen Gleitschirmclubs sagte.
Der Aufenthalt in der Schweiz wurde unterbrochen mit der Durchquerung des Centovalli, ehe Maurer am Simplonpass wieder in die Schweiz einflog und bis nach Stalden weiterziehen konnte. Die südliche Route entlang der Monte-Rosa-Gruppe Richtung Wendepunkt Matterhorn kam heute auf Grund des Nordföhns nicht infrage. Momentan wartet Chrigel oberhalb von Stalden auf eine Wetterbesserung, um eventuell heute Abend noch nach Zermatt fliegen zu können Schon heute Morgen sagte er: "Ich glaube eher nicht, dass es mir heute bis zum Matterhorn reichen wird. Die Verhältnisse sind zu schwierig."
Heute Morgen wollte der zweitplatzierte Gaspard Petiot in Sorico am nördlichen Ende des Comersees landen, als ihn im unmittelbaren Landeanflug eine Thermikblase anhob und weiter hinten gegen eine Mauer prallen liess. Dabei zog sich der Fünfte des X-Alps 2015 einen Handgelenkbruch sowie Knie- und Knöchelverletzungen zu, das Rennen ist für ihn zu Ende. 100 Kilometer hinter Chrigel Maurer liegt somit der Franzose Benoit Outters an zweiter Stelle. Dieser hat den Vorteil, dass er noch zwei Nachtpässe einlösen kann, da er den Prolog als Dritter beendet hatte.

Franzose macht mächtig Dampf / 07.07.2017 Morgen

 

Fehlender Talwind und eine Inversion stoppten gestern Chrigel Maurer auf dem Weg zum fünften Kontrollpunkt auf dem Monte Baldo am Gardasee. Derweil profitierte sein direkter Verfolger Gaspard Petiot von idealen Verhältnissen über das Timmelsjoch, er hat Maurer fast eingeholt. Heute könnte ein sehr harter Arbeitstag für Maurer werden - zumal er von Knieproblemen geplagt wird.

 

So war das nicht geplant: Nach viel versprechendem Start am Monte Luca südlich von Merano geriet der führende Chrigel Maurer gestern schon vor Mittag im Bereich von Madonna die Campiglio in eine ausgesprochen stabile Wetterlage. Die fehlende Thermik verschlimmerte sich noch durch eine über dem Gardasee liegende Inversion. Nach einer heiklen Seetraversierung konnte Maurer in zweistündiger "Bastlerei" bis 300 Meter unter den Gipfel des Monte Baldo aufdrehen, wo er schliesslich landen und den restlichen Weg zum Wendepunkt zu Fuss aufsteigen musste. Die Situation verbesserte sich dann auf dem Weg Richtung Westen/Nordwesten nicht unbedingt, so dass am Lago di Ladro schliesslich Schluss war.
Im Ötztal und über das Timmelsjoch hatte der Zweite in der Zwischenwertung, Gaspard Petiot (F) wesentlich günstigere Verhältnisse, konnte gestern fast 200 Kilometer weit bis an den Fuss des Monte Baldo fliegen. Mit dem eingelösten Nachtpass stieg er die 2'100 Höhenmeter zur Kontrolltafel auf und konnte heute Morgen früh den Gardasee fliegend traversieren, so dass er bis auf neunKilometer an Chrigel heran kam. Soeben ich Chrigel aber gestartet und konnte sofort wieder etwas Vorsprung gewinnen. Für Spannung ist heute also gesorgt.
Dahinter haben sich die Athleten zu einem Pulk zusammengeschlossen, liegen doch gleich acht Piloten innerhalb von sieben Kilometern. Gestern Morgen musste mit dem Italiener Aaron Durogati einer der Topfavoriten mit einer Meniskusverletzung die Segel streichen, und heute Morgen wurde reglementsgemäss der Letztplatzierte Claudio Heidel aus dem Rennen eliminiert.

 

Gibt es heute den Grosskampftag?

Gestern Abend war für Chrigel und sein Supporterteam Erholung angesagt: Schon um 19 Uhr gingen sie im warmen Lago di Ledro baden, gönnten sich danach in Strandnähe eine Pizza und gingen schon um 21 Uhr oberhalb von Bezzecca in einer ruhigen Waldlichtung schlafen. Auch heute Morgen eilte es dem Führenden nicht, begann er doch den Aufstieg zum Startplatz erst um 0630 Uhr. Heute könnte ein Grosskampftag werden. Er und sein Team hoffen, dass sie heute den mässigschlechten Flugbedingungen entfliehen können und im Veltlin bessere Thermik finden. Bis zum sechsten Kontrollpunkt, dem Matterhorn sind es noch rund 220 Kilometer. Die Wahrscheinlichkeit, dass er diesen heute erreicht, ist nicht gross. Zunächst gilt es, den aufdringlichen Gaspard Petiot im Auge zu behalten. Möglicherweise werden Maurer und Petiot bald gemeinsam Richtung Monaco weiterziehen.... 

Nach der zermürbenden "Bastlerei" am Monte Baldo ein erfrischendes Bad im Lago di Ledro

Nach der zermürbenden "Bastlerei" am Monte Baldo ein erfrischendes Bad im Lago di Ledro

Routenplanung zum Frühstück im Morgengrauen heute Morgen: Auf Chrigel wartet ein harter Arbeitstag.

Routenplanung zum Frühstück im Morgengrauen heute Morgen: Auf Chrigel wartet ein harter Arbeitstag.

Gibt's heute noch eine Pizza? / 05.07.2017 Nachmittag

 

Chrigel Maurer ist auf dem Weg zur Zugspitze, mehr als ein Drittel der gesamten Renndistanz bis hinunter nach Monaco hat er bereits hinter sich gebracht. Zwei Franzosen folgen ihm hartnäckig. Derweil sind einige Favoriten definitiv ins Hintertreffen geraten. Möglicherweise schafft es Maurer heute noch bis zur italienischen Grenze. Und die nächsten Tage sehen weiterhin Flugwetter vor.

Wie schon am Montag war Chrigel Maurer auch gestern drei Mal in der Luft. Nach einem ersten frühmorgendlichen Wake-Up-Flug hob er vom "Sprungbrett" Emberger Alm ab und verpasste den direkten Flug zum Wendepunkt Aschau am Chiemsee nur knapp. Nach 130 Kilometern in Mühlau gelandet, stieg Maurer gleich von der Südseite her zur Kampenwand auf, und von da flog er mitten in die Fanmeile von Aschau, wo über 250 Fans auf ihn warteten. Nach einer ausgedehnten Interview- und Autogrammsession musste der Führende dann aber doch weiter, denn der 1'568 Meter hohe Hochries lag gerade noch so drin. Von dessen Gipfel startete Chrigel schliesslich um 2046 Uhr zu seinem Talflug - und landete um 2059 Uhr in Brannenburg - gerade mal 30 Sekunden vor der Sperrstunde. Geflogen werden darf am X-Alps am Abend bekanntlich nur bis 2100 Uhr...

 

Heute möglicherweise bis nach Italien

Der erste Abgleiter heute Morgen bei Bayrischzell war ausgesprochen kurz. Schon vor Mittag flog Chrigel nach Start beim Sonnwendjoch (Brandenberger Alpen) westwärts dem nächsten Wendepunkt Lermoos entgegen - dies bei Westwinden bis zu 40km/h. Unerklärlich, wie das  gehen soll, aber bei Chrigel geht es eben. Chrigel bezeichnete diesen Flug denn im Lermoos auch als seinen schwierigsten Flug jemals am X-Alps. Seine Supporter gehen in ihren Gedanken bereits weiter und stellten sich heute Morgen vor, wie schön es wäre, heute Abend in Italien eine Pizza zu essen. Es ist wahrscheinlich, dass Maurer heute auch den halben Weg zum Kontrollpunkt Monte Baldo noch schafft und somit im Südtirol einfliegt. Das würde dann gleichzeitig das Erreichen der ungefähren Streckenhälfte auf dem Weg zum Mittelmeer bedeuten.

 

Favoriten fallen zurück

Ernsthaft gejagt wird Maurer derzeit von den Franzosen: Gaspard Petiot liegt über 80 Kilometer zurück. Nelson De Freyman liegt unmittelbar hinter Petiot zurück, gefolgt vom zweimaligen X-Alps-Dritten Paul Guschlbauer (A). Der anfänglich sehr starke Benoît Outters (F) fiel auf den 15. Zwischenrang zurück, Mitfavorit Sebastian Huber (D) auf den 14. Platz. Auch der bis vor den Triglav führende Toma Coconea (ROM) büsste viel an Zeit ein und ist 16. Der zweite Schweizer im Feld, Krischa Berlinger ist 17. Ausgeschieden sind bisher der Franzose Antoine Girard (Unfall) und Stephan Gruber (A, Fussentzündung). Der Mexikaner Liano Gonzalez wurde heute Früh als Letzter aus dem Rennen eliminiert, wie es die Regeln bestimmen.

Chrigel gleitet, begleitet von den letzten Sonnenstrahlen, vom Hochries nach Brannenburg hinunter.

Chrigel gleitet, begleitet von den letzten Sonnenstrahlen, vom Hochries nach Brannenburg hinunter.

Ein neues Kapitel der Geschichte / Dienstag, 04.07.2017 Morgen

 

Die Gleitschirm-Flugwelt steht Kopf: Mit einer fulminanten Aufholjagd und drei genial geplanten Flügen erreichte Chrigel Maurer gestern Abend als erster des gesamten Starterfeldes den zweiten Wendepunkt am Triglav. Und flog gleich noch weiter...

Grosse Euphorie bei allen Fans und Followers von Chrigel Maurer: Der 34-jährige Berufs-Gleitschirmpilot hat gestern ein weiteres neues Kapitel in der Gleitschirmgeschichte geschrieben.

Eigentlich sprach zunächst alles gegen Maurer: Letzte Woche litt er an einer hartnäckigen Erkältung, kam gerade zum Rennstart noch rechtzeitig wieder in Form, musste aber auf den Prolog verzichten, was ihm für das X-Alps eine zweieinhalbstündige Strafe einbrachte. Dies Strafe musste er gestern Montag früh "absitzen", womit Chrigel statt um 5 Uhr erst um 7.30 Uhr loslegen durfte - mit dem Vorteil, entsprechend länger ausschlafen zu können. Kam aber dazu, dass die Topkonkurrenten Sebastian Huber (Deutschland) und Toma Coconea (Rumänien) bereits in der ersten Rennnacht ihren Nachtpass einlösten und die ganze Nacht auf Montag durchlaufen durften, so dass Chrigel Maurer gestern Morgen auf dem 22. Zwischenrang mit fast 40 Kilometer Rückstand auf die beiden aufbrach.

 

Triglav "auf dem letzten Zacken"

Nach einem dreistündigen Aufstieg durch das Grossarltal entschloss sich Maurer, den Kreuzkogel zu besteigen und von dort ins Gasteinertal abzugleiten. Somit wählte der Frutiger eine völlig andere Route als alle vor ihm laufenden Teilnehmer, die sich fast alle für die Traversierung des 15 Kilometer weiter östlich liegenden Maltatals entschieden hatten. Der Entscheid von Maurer erwies sich bald einmal als der einzig richtige: Trotz starken Föhnwinden, Nebel und leichtem Regen startete er zu seinem ersten Flug am laufenden X-Alps, machte auf einen Schlag über ein Dutzend Ränge gut und konnte auf halber Höhe zum Tauernpass einlanden, um gleich wieder 1'000 Höhenmeter zu diesem aufzusteigen. Der anschliessende Flug von dort aus wurde zur grossen Machtdemonstration des weltweit besten Gleitschirmpiloten: In einem Zug flog er über den gesamten Gailtaler Alpenkamm bis zum Triglav an der solwenischen Staatsgrenze, dessen 2'864 Meter hoher Gipfel denn auch Wendepunkt Nummer 2 des X-Alps ist.. An diesem angekommen, verhinderten Abschattungen und Nebel das direkte Ansteuern des 50-Meter-Zylinders auf dem Gipfel dieses Felszahns namens Triglav. Mit viel Geduld und Feingefühl schaffte es Chrigel schliesslich, bis fast zur Gipfelhöhe aufzusoaren und so den Turnpoint zu knacken. Von Thermik konnte nicht mehr gesprochen werden, es waren nur noch vereinzelte schwache "Thermikfetzen", welche Maurer immer wieder Meter um Meter in die Höhe drehen liessen. "Das war jetzt ein Kampf", resümierte ein geschaffter, aber zufriedener Chrigel am späten Abend. Der abschliessende Flug im Sonnenuntergang zum Presseggersee war eine zusätzliche Demütigung seiner Konkurrenten. Vor allem für Sebastian Huber, der sich gestern schwer tat und im Klassement zurückgefallen ist, sowie Toma Coconea, der bei seinem ersten Flug einen wahren "Taucher" einfing, dürfte der gestrige Schlag von Chrigel Maurer ein Riesenfrust sein.
Maurer flog gestern insgesamt 130 Kilometer weit und bewältigte knapp 3'000 Höhenmeter.

 

Hochkarätiges Feld

Das gestern Geschehene könnte das Gefühl aufkommen lassen, dass Chrigel Maurer es hier mit zweiklassigen Gegnern zu tun hat. Tatsache ist, dass die 31 auserlesenen Piloten aus 20 Nationen zu den allerbesten der weltweiten Gleitschirmszene zählen. Toma Coconea war schon 2007 und 2011 Zweiter des X-Alps, ist in der Lage, pro Tag über 100 Kilometer mit dem Gleitschirm am Rücken zu joggen, wenn es sein muss. Der junge bayerische Förster Sebastian Huber wurde beim letzten X-Alps auf Anhieb Zweiter und wird heuer als wohl stärkster Herausforderer gehandelt. Der Franzose Antoine Girard wurde 2013 Dritter, Paul Guschlbauer (Österreich) sogar zwei Mal (2011 und 2015). Aaron Durogati, der gemeinsam mit Huber den Prolog gewann, ist zudem Streckenflug-Weltcupsieger. Und da wäre noch der US-Amerikaner Gavin McClurg, der als erster aus eigener Kraft nur fliegend und bergsteigend die gesamte 500 Kilometer langen Denali-Bergkette in Alaska durchquert hat.
Bei all diesen Spitzenathleten dürfte nach Chrigel Maurer's gestriger Leistung am heutigen Tag einiges an Konsternation herrschen.

 

Heute noch in Deutschland?

Heute werden einige von Maurers Verfolgern den Turnpoint Traiglavgipfel auch schaffen. Toma Coconea, Gaspard Petiot (F), Paul Guschlbauer (A) undBenoit Outters (F) begannen fast geschlossen von Arnoldstein aus um fünf Uhr in der Früh mit der Besteigung des Fast-Dreitausenders, und die Prognosen für einen thermisch guten Flugtag lassen einiges erwarten. Trotz seines faktischen Vorsprungs von 60 Kilometern gibt sich der Frutiger aber bescheiden: "Erst mal den Ball flach halten. Es ist noch weit bis Monaco." Durchaus möglich, dass Maurer noch heute den 150 Kilometer entfernten, dritten Wendepunkt im bayerischen Aschau am Chiemsee holen wird. 

Entschwindet im Nebel an den Felswänden des Triglav: Chrigel Maurer holte sich am Abend noch gerade knapp den zweiten Wendepunkt des laufenden X-Alps.

Entschwindet im Nebel an den Felswänden des Triglav: Chrigel Maurer holte sich am Abend noch gerade knapp den zweiten Wendepunkt des laufenden X-Alps.

Das Abenteuerrennen hat sehr nass begonnen / Sonntag, 02.07.2017 Abend

                                                                         

Es ist so weit, das X-Alps läuft! Sturmwinde, heftiger Regen und dichter Nebel empfingen heute Mittag die 31 Athleten des 8. X-Alps auf dem Gaisberg, dem 1287 Mete hohen Hausberg von Salzburg. Auch wenn es um 14 Uhr erwartungsgemäss weitgehend abtrocknete - entsprechend war ans Fliegen gestern bei bedecktem Himmel den ganzen Tag nicht zu denken.

 

Das sind die Bedingungen, die Toma Coconea liebt: Der rumänische Marathonmann rannte wie immer los, als wäre das Ziel nicht in Monacco, sondern gleich um die Ecke. Noch schneller auf dem Gaisberg war nur der Deutsche Sebastian Huber, der von vielen als der grosse Favorit gehandelt wird. Auch Chrigel Maurer bemerkte heute: "Den Huber können wir nur mit einer ausgeklügelten Strategie schlagen."
Aber Chrigel hielt sich heute tapfer, erreichte den Gaisberg nur neun Minuten hinter Huber und deren sieben nach Coconea als Dritter, gemeinsam mit dem Italiener Aaron Durogati und dem Franzosen Benoit Outters. Am Nachmittag zog das gesamte Feld mehr oder weniger geschlossen Richtung Süden - Richtung Slowenien. Chrigel wird bis zur Sperrstunde heute Abend um 2230 Uhr rund 70 Kilometer mit je rund 1000 Höhenmetern Auf- und Abstieg zurückgelegt haben. Er fühlt sich fit und hat sich von seiner Erkältung von letzter Woche offensichtlich vollständig erholt.

 

Hoffen auf Flugwetter

Für die kommende Nacht haben mit den führenden Sebastian Huber und Toma Coconea ihren Nachtpass eingelöst, dürfen also die ganze Nacht durchlaufen. Auch der US-Amerikaner Gavin McGlurg hat den Nightpass bereits für die erste Wettkampfnacht gelöst.
Morgen dürften die Flugverhältnisse wegen spätem Einsetzen der Thermik und Föhnlage schwierig werden. Es könnten genau die Verhältnisse eintreffen, die auf Chrigel Maurer zugeschnitten sind.

mit X-Socks und Lowa Schuhen gut unterwegs

mit X-Socks und Lowa Schuhen gut unterwegs

Vor dem Start / Samstag 01.07.2017 am Abend

Alles Zeichen stehen auf "Go"

Mit viel Ruhe, Naturheilmitteln und positiver Einstellung konnte sich Chrigel Maurer in den letzten 48 Stunden von der Erkältung erholen, die er sich zugezogen hatte. Der vierfache X-Alps-Sieger ist bereit für sein fünftes X-Alps-Abenteuer, welches morgen Sonntag um 1130 Uhr auf dem Mozartplatz in Salzburg gestartet wird.

Entwarnung im Team SUI1: Der Käfer, den sich Chrigel Maurer Anfang Woche zugezogen hatte, hat sich rechtzeitig vor dem Start zum X-Alps von morgen Sonntag davongemacht. Nicht zuletzt dank Supporter Tobias Dimmler's verordneter Knoblauch- und Ingwerkur, viel Ruhe und Vitaminzufuhr erlangte Chrigel die Gesundheit und Energie zurück, um morgen zum 1'138 Kilometer langen Rennen ans Mittelmeer starten zu können.
Zum 30 Kilometer langen Prolog (1'800 Höhenmeter) vom Donnerstag konnte Maurer indes nicht antreten. Dafür plagen ihn jetzt weder Entzündungen noch Muskelprobleme - was bei einigen Konkurrenten ganz anders ist.

 

 

Chrigel mit zweieinhalb Stunden Handicap

Durch den Verzicht auf die Prologteilnahme handelte sich Chrigel Maurer eine Zeitstrafe von einer Stunde ein. Am Sonntag startet das Feld geschlossen, ausgenommen die ersten Drei, die wie erwähnt fünf Minuten vorher ins Rennen gehen dürfen. Am frühen Montagmorgen dann, also am zweiten Renntag, starten die Teilnehmer in den Abständen, welche sie sich beim Prolog eingehandelt haben, in den Tag. Als nicht Gestarteter am Prolog darf Chrigel Maurer am Montag erst eine Stunde nach dem Letztplatzierten des Prologs ins Rennen gehen, was einem Rückstand auf die Spitze von zweieinhalb Stunden entspricht. Will heissen, dass für Chrigel der Montag erst um 0730 Uhr beginnt, während die beiden Prologsieger Aaron Durogati (Italien), Sebastian Huber (Deutschland) bereits um 0500 Uhr starten werden.

 

 

"Lieber von 20 auf 100..."

Heute Mittag fand im Hangar 7 des Hauptsponsors Red Bull mitten in der Ausstellung von Formel 1-Wagen und Flugzeugen die gut besuchte Medienkonferenz statt. Hier zeigte sich Topfavorit Chrigel Maurer trotz des genannten Strafzeit-Handicaps zuversichtlich: "Wahrscheinlich werde ich morgen mit 90 Prozent Leistung starten und dann langsam steigern können." Nach der Pressekonferenz liess es sich Chrigel nicht nehmen, noch eine Stunde joggen zu gehen - mit folgender Begründung: "Ich will morgen lieber von 20 auf 100 starten, statt von 0 auf 100."
Die am höchsten dotierten Co-Favoriten Sebastian Huber und Aaron Duroati beklagten auch heute noch Muskelkater in ihren Oberschenkeln von ihrem fulminanten Prolog. Die beiden legten die 30 Kilometer mit 1'800 Höhenmetern am Donnerstag in nur 1:53 Stunden zurück.
Indes streckt der siebenmalige X-Alps-Teilnehmer Toma Coconea (Rumänien) beide Daumen in die Höhe: "Ich bin bereit. Ich renne jetzt nach Monaco, um mich dort zu erholen." Der zweite Schweizer im Rennen, der Zürcher Krischa Berlinger leidet unmittelbar vor dem X-Alps-Start an einer leichten Fersenentzündung.
Kurzfristig von der Teilnahme am X-Alps abgemeldet hat sich der Südkoreaner Chikyoung Ha. Somit gehen morgen Sonntag 31 Athleten aus 20 Nationen an den Start.